60/40 Portfolios: Warum klassische Diversifikation 2026 nicht mehr reicht
Über Jahrzehnte hinweg bildete die Kombination aus Aktien und Anleihen das Fundament der Portfoliodiversifikation. Nach einer langen Phase niedriger Inflation und überwiegend stabiler Aktien-Anleihen-Korrelationen wird das klassische 60/40-Portfolio jedoch zunehmend hinterfragt. Im aktuellen Marktregime haben sich die Korrelationen zwischen den beiden Anlageklassen als weniger verlässlich erwiesen, wodurch die stabilisierende Wirkung von Anleihen in Aktienportfolios nachgelassen hat.
Mit der Rückkehr des Inflationsdrucks und einer höheren Volatilität an den Zinsmärkten suchen Investoren verstärkt jenseits traditioneller Anlageklassen nach zusätzlichen Ertragsquellen und Möglichkeiten zur Risikokontrolle. Vor diesem Hintergrund rücken Liquid Alternatives als dritter Portfoliobaustein in den Fokus, um klassische Portfolios um stärker diversifizierte Ertragstreiber zu ergänzen.
In seinem 2026 Outlook for Liquid Alternatives beschreibt Apollo Multi Asset Management ein Marktumfeld, das weniger von akuter Rezessionsgefahr als vielmehr von anhaltenden Ungleichgewichten geprägt ist. Konsensschätzungen verorten das globale Wirtschaftswachstum 2026 bei knapp unter drei Prozent, mit nachlassender Dynamik in den USA, fragilen Rahmenbedingungen in Europa sowie einem uneinheitlichen Ausblick für China und die Emerging Markets. Die Inflation dürfte oberhalb der Niveaus der Zeit nach der Finanzkrise verbleiben und damit ein Marktregime festigen, in dem traditionelle Diversifikationsannahmen – einschließlich der Rolle von Anleihen als Portfolio-Stabilisatoren – zunehmend infrage gestellt werden.
Konzentrationsrisiken und anhaltende Volatilität
Über das makroökonomische Umfeld hinaus rückt zunehmend auch die Marktstruktur selbst in den Fokus der Anleger. Wie mehrere Analysen zeigen, repräsentieren die zehn größten US-Unternehmen inzwischen mehr als 20 Prozent der globalen Aktienmarktexponierung. Ein derart hohes Maß an Konzentration erhöht die Fragilität von Portfolios und macht sie anfälliger für Führungswechsel am Markt oder abrupte Stimmungsumschwünge.
Zugleich dürfte Volatilität auch 2026 ein prägendes Merkmal der Kapitalmärkte bleiben. Unsicherheit über Zeitpunkt und Umfang möglicher Zinssenkungen, geopolitische Fragmentierung, Kreditausfälle sowie der anhaltende Investitionszyklus rund um Künstliche Intelligenz tragen zu einem komplexeren Marktumfeld bei. Vor diesem Hintergrund rückt für viele Investoren weniger die Diversifikation über Anlageklassen als vielmehr die Streuung über unterschiedliche Ertragsquellen in den Mittelpunkt.
„Das Umfeld erfordert mehr Widerstandsfähigkeit, breitere Ertragsquellen und ein Risikomanagement, das über Aktienbeta und Duration hinausgeht“, sagt Steve Brann, Chief Investment Officer von Apollo Multi Asset Management.
Vom Add-on zum Kernbaustein: Warum Liquid Alternatives strukturell wichtiger werden
Vor diesem Hintergrund werden Hedgefonds und Liquid Alternatives zunehmend nicht mehr als taktische Beimischung, sondern als strukturelle Bausteine in Portfolios betrachtet. Apollo verweist in diesem Zusammenhang auf Studien von Wellington Management, das Hedgefonds als „fehlende Zutat“ in diversifizierten Portfolios bezeichnet und auf ihr Potenzial hinweist, die nachlassende Diversifikationswirkung von Anleihen auszugleichen, die Volatilität zu senken und betaunabhängige Ertragsquellen zu erschließen.
Auch Branchendaten deuten auf ein erneutes institutionelles Engagement in diesem Segment hin. Laut Studien von S&P Global und With Intelligence wird die Hedgefondsbranche bis 2027 voraussichtlich ein Vermögen von rund $5 Bn und mehr verwalten, unterstützt durch anhaltende institutionelle Zuflüsse. Besonders eventgetriebene Strategien, Makroansätze sowie Long/Short-Equity zählen zu den Bereichen mit den stärksten Mittelzuflüssen. UBS und Goldman Sachs verweisen ebenfalls auf ein Umfeld, in dem die Spreizung zwischen Gewinnern und Verlierern zunimmt – und damit die Bedeutung aktiver Selektion und flexibler Mandate steigt.
Warum 2026 ein Hedgefonds-Jahr sein könnte: Alpha, Dispersion, Volatilität
Während einige Marktausblicke weiterhin Chancen in den Private Markets betonen, verweisen die von Apollo zitierten Analysen auf zunehmende strukturelle Einschränkungen in mehreren alternativen Anlageklassen. Private Equity und Private Credit bleiben wichtige Bestandteile institutioneller Portfolios, doch Transaktionsaktivitäten verlaufen uneinheitlich, Renditeerwartungen normalisieren sich und die Liquidität ist begrenzt. Bewertungsunsicherheiten und verzögerte Kapitalrückflüsse erschweren zudem die Portfolioallokation – insbesondere in einem Umfeld, in dem Flexibilität an Bedeutung gewinnt.
Ähnliche Herausforderungen zeigen sich bei Real Assets und Infrastrukturinvestments. Zwar können sie langfristig als Inflationsschutz dienen, der Zugang ist jedoch häufig eingeschränkt, Bewertungen reagieren verzögert auf Marktveränderungen und das Transaktionsgeschehen verläuft zyklisch. Für Investoren, die sich in einem von anhaltender Volatilität und wechselnden Korrelationen geprägten Marktumfeld bewegen, werden diese strukturellen Limitationen zunehmend relevant.
Apollo argumentiert, dass Hedgefondsstrategien und Liquid Alternatives unter diesen Bedingungen besondere Eigenschaften bieten – vorausgesetzt, sie werden über eine geeignete Anlagestruktur umgesetzt. Während viele zugrunde liegende Hedgefonds lediglich periodische Liquidität bieten, setzt Apollo auf eine UCITS-Fund-of-Funds-Struktur, die auf Portfolioebene tägliche Rückgaben ermöglicht. Ziel ist es, hedgefondsähnliche Ertragsquellen mit höherer Flexibilität, Transparenz und Liquidität für Investoren zu verbinden.
In diesem Kontext gilt die Fähigkeit, von Dispersion, relativen Bewertungsunterschieden und Volatilität zu profitieren, zunehmend als Vorteil statt als Kompromiss. Anstatt sich auf breites Markt-Beta zu stützen, zielen Hedgefondsstrategien darauf ab, Wert aus relativen Preisanomalien, Unternehmensereignissen und makroökonomischen Verwerfungen zu generieren – Faktoren, die nach Einschätzung von Apollo auch im aktuellen Marktzyklus eine zentrale Rolle spielen dürften.
Wie Multi-Strategie-Ansätze für 2026 positioniert sind
Insgesamt deutet das von Apollo zusammengefasste Research darauf hin, dass die zentrale Herausforderung für Investoren heute weniger im Timing der Märkte liegt als im Aufbau robuster Portfolios, die ein breiteres Spektrum möglicher Szenarien abfedern können. Hohe Konzentration, instabile Korrelationen und anhaltende Volatilität haben die Wirksamkeit traditioneller Diversifikationsansätze geschwächt und rücken Strategien in den Fokus, die unabhängiger von der allgemeinen Marktentwicklung agieren.
Liquid Alternatives und Multi-Strategie-Ansätze werden in diesem Umfeld zunehmend nicht als opportunistische Ergänzung, sondern als strukturelle Portfoliokomponenten bewertet. Durch die Kombination mehrerer differenzierter Ertragsquellen innerhalb eines liquiden Rahmens sollen sie die wachsende Lücke zwischen der erwarteten und der tatsächlich erzielbaren Diversifikation traditioneller Allokationen schließen.
Apollo positioniert seine diversifizierten Multi-Strategie-Portfolios als Antwort auf diese Herausforderungen. Im Fokus stehen eine breite Streuung über Strategien und Manager, ein ausgeprägtes Risikomanagement sowie der Zugang zu mehreren voneinander unabhängigen Ertragsquellen – darunter Makro-, Long/Short-Equity-, Market-Neutral-, Event-Driven- und Credit-Strategien –, um die Abhängigkeit von einzelnen Renditetreibern zu reduzieren.



