Warum Closed-End Funds in Emerging Markets überzeugen

Closed-End Funds sind lange ein Nischen-Investmentvehikel gewesen, aber gerade im aktuellen Umfeld der Emerging Markets bieten sie aus mehreren Gründen eine besonders überzeugende Anlagemöglichkeit. Wir haben hierzu mit Oliver Marschner, Senior Portfolio Manager und Head of the Emerging Markets Group bei City of London Investment Management (CLIM), gesprochen.

In dem Interview erläutert er, wie CLIM Preisineffizienzen bei Closed-End Funds nutzt, um Alpha zu erzielen, welche strukturellen Vorteile das Closed-End-Format bietet und warum das Unternehmen die Stunde für Emerging Markets gekommen sieht. Zudem hebt Marschner die Bedeutung makroökonomischer Veränderungen hervor – darunter ein schwächerer US-Dollar, sinkende Zinsen sowie die hohe KI-Exposure über führende Technologie- und Halbleiterunternehmen.

Zusammenfassung

City of London Investment Management (CLIM) hat sich als Spezialist für Investments in Closed-End Funds etabliert. Der in London ansässige Asset Manager wurde Anfang der 1990er-Jahre gegründet, ist an der London Stock Exchange gelistet und verwaltet rund USD 6,8 Mrd. an Assets under Management (AUM). Die Anlagestrategien reichen von Emerging und Frontier Markets bis hin zu entwickelten Märkten sowie Listed Private Equity – vereint durch ein zentrales Prinzip: die gezielte Nutzung von Preisineffizienzen bei Closed-End Funds.

Oliver Marschner, Senior Portfolio Manager und Head of the Emerging Markets Group, erläutert, wie CLIM diesen Nischenansatz im Emerging World Fund (EWF) umsetzt und warum das Unternehmen aktuell attraktive Chancen in den Emerging Markets sieht.

Ausnutzung von Preisanomalien

Closed-End Funds unterscheiden sich grundlegend von offenen Investmentvehikeln: Sie geben eine feste Anzahl von Anteilen aus, die – ähnlich wie Aktien – an der Börse gehandelt werden. Da das Angebot fix ist, schwanken die Anteilspreise abhängig von der Nachfrage und können vom Nettoinventarwert (Net Asset Value, NAV) des zugrunde liegenden Portfolios abweichen. Genau auf diese Abweichungen fokussiert sich CLIMs Strategie.

„Wir investieren in Fonds, wenn ihre Abschläge auf den NAV im historischen Vergleich hoch sind, und verkaufen, wenn sich der Discount wieder verengt“, erklärt Marschner. „So erzielen wir Alpha.“

Dieses sogenannte Discount-Trading stellt seiner Ansicht nach eine differenzierte und komplementäre Ertragsquelle im Vergleich zu klassischen Emerging-Markets-Fonds dar. Über einen Track Record von mehr als drei Jahrzehnten hinweg hat CLIM eine kontinuierliche Outperformance erzielt – im Schnitt rund 200 Basispunkte pro Jahr gegenüber dem MSCI Emerging Markets Index, bei vergleichsweise niedrigem Tracking Error.

Kombination aus Makro-Perspektive und Fondsselektion

Der Investmentprozess von CLIM verbindet eine Top-Down-Länderallokation mit einer Bottom-Up-Fondsselektion. Ein dreiköpfiges Makroteam in London bewertet vierteljährlich 27 Emerging Markets über einen Anlagehorizont von neun bis zwölf Monaten, unter Berücksichtigung makroökonomischer, marktbezogener und politischer Faktoren. Das Portfoliomanagement entscheidet anschließend, wie diese Einschätzungen am besten über die jeweils attraktivsten Closed-End Funds umgesetzt werden können.

Ebenso entscheidend ist die Qualität der zugrunde liegenden Fondsmanager und der Governance-Strukturen. CLIM legt großen Wert auf „shareholder-friendly“ Boards, die bereit sind, bei anhaltender Underperformance oder zunehmenden Discounts aktiv zu handeln.

„Wenn sich der Discount weiter ausweitet, können wir Druck auf die Boards ausüben, um Gegenmaßnahmen anzustoßen – etwa Tender Offers, Aktienrückkäufe oder letztlich die Liquidation des Fonds. In jedem dieser Fälle werden die Vermögenswerte zum Nettoinventarwert an die Aktionäre zurückgeführt. Das ist besonders attraktiv, da wir diese Positionen zu hohen Abschlägen erwerben“, so Marschner.

Warum jetzt Emerging Markets?

Nach einem Jahrzehnt relativer Underperformance sieht Marschner eine Reihe von Faktoren, die sich nun zugunsten der Emerging Markets entwickeln. „Der US-Dollar schwächt sich ab und die Fed senkt die Zinsen – beides historisch unterstützende Faktoren für EM-Assets“, sagt er. Hinzu kommt eine erhebliche Exposure der Anlageklasse gegenüber künstlicher Intelligenz, einem zentralen strukturellen Wachstumstreiber.

Zwischen 40% und 45% des MSCI Emerging Markets Index sind über Technologie- und Halbleiterunternehmen wie TSMC, Samsung, SK Hynix, Tencent und Alibaba mit KI verbunden. „Die Stimmung dreht sich allmählich, während die Bewertungen weiterhin günstig sind – das schafft einen attraktiven Einstiegszeitpunkt“, argumentiert Marschner.

Vorteile der Closed-End-Struktur

Über die Bewertungsargumente hinaus betont Marschner die strukturellen Vorteile von Closed-End Funds. Im Gegensatz zu offenen Fonds unterliegen sie keinen Mittelzuflüssen oder -abflüssen von Investoren. Das erlaubt es den Managern, sich auf eine langfristige Positionierung zu konzentrieren, ohne hohe Liquiditätsreserven vorhalten zu müssen. Historisch gesehen haben vergleichbare Closed-End-Strukturen ihre offenen Pendants aufgrund dieses Vorteils häufig outperformt.

Zudem bietet der Ansatz eine hohe Diversifikation. CLIM-Portfolios halten typischerweise 40 bis 60 Closed-End Funds, die jeweils in 50 bis 80 Einzeltitel investieren. „Auf Look-Through-Basis ergibt das ein Exposure von über 3.000 Emerging-Markets-Aktien“, so Marschner. „Das ist ein diversifizierter und effizienter Zugang zur Anlageklasse bei geringerem Tracking Error.“

Eine Nische mit strukturellem Vorteil

Aktien aus Emerging Markets sind nach wie vor stark von Retail-Investoren geprägt – ein Umfeld, das Spezialisten wie CLIM Chancen eröffnet. „Privatanleger achten in der Regel weniger auf Discount-Dynamiken“, erklärt Marschner. „Das verschafft institutionellen Investoren, die tiefgehende Analysen durchführen – wie wir –, einen klaren Vorteil.“

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