Nordic Credit – Ausblick 2026

Mit nachlassendem Inflationsdruck und stabileren Zinserwartungen starten die Rentenmärkte gefestigt in das Jahr 2026. Auch in den nordischen Ländern trifft ein konstruktiveres makroökonomisches Umfeld auf solide Unternehmensbilanzen und eine lebhafte Emissionstätigkeit an den Anleihemärkten. Der Nordic Credit Ausblick 2026 zeichnet damit das Bild einer Region, die mit vergleichsweise robusten Fundamentaldaten in das neue Jahr geht.

In seinem im Januar veröffentlichten Nordic Outlook geht Bankkonzern SEB von einem globalen BIP-Wachstum von etwas mehr als 3% pro Jahr in den Jahren 2026 und 2027 aus, getragen von anhaltendem Konsum und Investitionen – trotz geopolitischer Spannungen und struktureller Herausforderungen in wichtigen Volkswirtschaften. Die nordischen Länder gelten in diesem Umfeld als vergleichsweise gut positioniert, da eine stabile Binnennachfrage und widerstandsfähige Arbeitsmärkte stützend wirken. Während die US-Notenbank ihren graduellen Lockerungszyklus voraussichtlich fortsetzen dürfte, könnten einige nordische Zentralbanken die Zinsen vorerst konstant halten und so zu einem berechenbareren Zinsumfeld für Emittenten und Investoren beitragen.

Vor diesem Hintergrund sehen auch Asset Manager konstruktive Rahmenbedingungen für die Region. Henrik Tingstorp, COO Fixed Income Fund Management bei Simplicity Asset Management, geht davon aus, dass die nordischen Länder weiterhin von einer vergleichsweise soliden wirtschaftlichen Dynamik profitieren werden, wobei Schweden als zentraler Wachstumstreiber fungiert. „Niedrigere Zinsen und steuerliche Entlastungen stützen die privaten Haushalte und dürften den Konsum beleben“, sagt er. Gleichzeitig warnt er, dass anhaltend hohe Strompreise die Kaufkraft belasten und Teile der Erholung verzögern könnten. „Insgesamt sind nordische Unternehmen unseres Erachtens gut positioniert, um in einem sich festigenden wirtschaftlichen Umfeld erfolgreich zu agieren – was auch das Marktumfeld für Nordic Credit unterstützt.“

Solide Bilanzen zu Beginn des Jahres 2026

Die fundamentalen Rahmenbedingungen erscheinen insgesamt unterstützend. Nach Einschätzung der nordischen Ratingagentur NCR haben viele Unternehmen in den vergangenen Jahren ihre Bilanzen gestärkt und finanzielle Disziplin priorisiert. Dadurch sind sie besser aufgestellt, um von einer schrittweisen Erholung der Nachfrage zu profitieren. Eine zunehmende Verbraucherstimmung – getragen von steigenden Löhnen und weiterhin vorhandenen Ersparnispuffern – sowie anhaltende öffentliche und private Investitionen in Infrastruktur, Verteidigung und Technologie dürften ausgewählte Sektoren im Jahr 2026 zusätzlich stützen.

NCR geht davon aus, dass solide Finanzprofile und ein weiterhin funktionierender Zugang zu den Kapitalmärkten die Kreditqualität grundsätzlich stabilisieren sollten, wenngleich sektorale Unterschiede zu einer stärkeren Spreaddifferenzierung zwischen Emittenten führen könnten.

Rekordvolumina und lebhafte Primärmärkte

Marktdaten unterstreichen das konstruktive Umfeld. Laut dem Nordic Trustee Corporate Bond Market Report 2025 erreichte der nordische Corporate-Bond-Markt im vergangenen Jahr ein Rekordvolumen von 135 Mrd. Euro ausstehend – ein Anstieg von 12,4% gegenüber dem Vorjahr und ein neues Hoch über dem bisherigen Spitzenwert von 2021. Das Neuemissionsvolumen belief sich auf 44 Mrd. Euro und lag damit 12,8% über dem Wert von 2024, was auf eine erneute Belebung der Primärmarktaktivität hindeutet.

Norwegen bleibt die dominierende Kraft im nordischen Corporate-Bond-Markt und vereint rund 56% des ausstehenden Volumens auf sich, gefolgt von Schweden mit 35%, während Dänemark und Finnland kleinere Marktanteile ausmachen. Strukturell ist der Markt weiterhin leicht investmentgrade-lastig: 72 Mrd. Euro entfallen auf Investment-Grade-Anleihen gegenüber 63 Mrd. Euro im High-Yield-Segment, wobei Letzteres im Jahresverlauf stärker gewachsen ist.

Innerhalb des Investment-Grade-Segments sieht Tingstorp selektive Chancen insbesondere im BBB-Bereich, aber auch in höheren Ratingkategorien, die aus seiner Sicht attraktive relative Bewertungen bieten. Im High-Yield-Segment liegen die Spreads in den nordischen Ländern weiterhin über denen in Europa und den USA. „In Kombination mit der insgesamt soliden finanziellen Verfassung nordischer Unternehmen ergeben sich daraus weiterhin günstige Rahmenbedingungen für Investitionen in Nordic Credit“, so Tingstorp.

Strukturelle Merkmale stützen Nordic Credit

Für Investoren bleiben die strukturellen Besonderheiten der Region ein wesentliches Differenzierungsmerkmal. „Was den Nordic-Credit-Markt attraktiv macht, ist die breite Mischung aus Unternehmen verschiedener Branchen und Ratingkategorien“, sagt Tingstorp. „Die zentrale Stärke liegt im Risiko-Rendite-Profil. Nordische Emittenten sind häufig kleiner, was sich oftmals in höheren Spreads im Vergleich zu globalen Wettbewerbern widerspiegelt.“

Zudem verweist er auf Unterschiede in der Covenant-Struktur. „Viele Anleihen enthalten sogenannte Maintenance Covenants – also Gläubigerschutzklauseln, die Emittenten zur laufenden Einhaltung bestimmter Finanzkennzahlen verpflichten –, was im breiteren europäischen Markt weniger verbreitet ist“, erläutert Tingstorp. Diese Strukturen könnten in volatilen Marktphasen zusätzlichen Schutz bieten.

Aus Sicht der Portfolioallokation kann Nordic Credit globale und Investment-Grade-Engagements sinnvoll ergänzen. „Angesichts der starken Governance-Strukturen und des robusten makroökonomischen Umfelds kann die Region zudem eine Alternative zu Engagements in Schwellenländern darstellen“, ergänzt er.

Risiken und zunehmende Spreaddifferenzierung

Trotz der insgesamt unterstützenden Rahmenbedingungen bleiben Risiken bestehen. Geopolitische Unsicherheiten, handelspolitische Entwicklungen oder erneute Schwankungen bei Zinserwartungen könnten die Risikobereitschaft der Investoren beeinflussen. Auf Emittentenebene könnten Refinanzierungsanforderungen und sektorale Belastungsfaktoren zu einer stärkeren Spreaddifferenzierung führen und damit die Bedeutung sorgfältiger Kreditanalyse erhöhen. NCR weist zudem darauf hin, dass eine Belebung der M&A-Aktivität zwar Wachstumsimpulse setzen könne, zugleich aber neue bilanzielle Risiken mit sich bringen dürfte.

Die Marktbedingungen zu Jahresbeginn spiegeln dieses Spannungsfeld wider. „Der Kreditmarkt ist mit einer regen Berichtssaison und mehreren Neuemissionen aktiv in das Jahr gestartet“, so Tingstorp. „International kam es zeitweise zu erhöhter Volatilität, insgesamt blieben die Spreadbewegungen jedoch begrenzt. Ein ähnliches Bild zeigte sich im nordischen Markt. Allerdings liegen die Spreads weiterhin deutlich höher und bieten entsprechend attraktivere laufende Renditen.“

Insgesamt weist der Nordic Credit Ausblick in diesem Jahr auf einen Corporate-Bond-Markt hin, der aus relativer Stärke heraus in das Jahr startet – getragen von soliden Fundamentaldaten und aktiven Kapitalmärkten. Zugleich sprechen erhöhte Spreadniveaus und eine zunehmende Differenzierung dafür, dass der Anlageerfolg weniger von der allgemeinen Marktentwicklung als vielmehr von einer disziplinierten Emittentenauswahl und konsequentem Risikomanagement abhängen dürfte.

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