Nordic Credit als Baustein zur Portfolio-Diversifikation

Die nordischen Länder stehen für wirtschaftliche Stabilität, starke Governance-Strukturen und einen disziplinierten Umgang mit staatlicher und unternehmerischer Finanzpolitik – Eigenschaften, die sich auch im Markt für Unternehmensanleihen widerspiegeln. Mit einer breiten Mischung aus Emittenten, Sektoren und Anleihe­strukturen unterscheidet sich Nordic Credit deutlich von traditionellen Euro- oder globalen Kredituniversen und kann innerhalb von Fixed-Income-Portfolios eine eigenständige Rolle einnehmen.

In diesem Interview teilt Henrik Tingstorp, COO Fixed Income Fund Management bei Simplicity Asset Management, seine Einschätzung zum Segment Nordic Credit. Er erläutert, wie lokale Marktexpertise, ein diszipliniertes Liquiditätsmanagement sowie eine ausgewogene Allokation zwischen Investment Grade und High Yield den Investmentansatz von Simplicity prägen.

Zusammenfassung

Simplicity ist ein auf die nordischen Länder fokussierter Asset Manager mit einem verwalteten Vermögen von rund 37 Mrd. SEK (ca. 3,4 Mrd. EUR), von dem ein wesentlicher Teil in nordische Unternehmensanleihen investiert ist. Nordic Credit bildet laut Tingstorp den Kern der Fixed-Income-Aktivitäten des Hauses. Der Investmentansatz ist bewusst traditionell ausgerichtet: Statt quantitativer Modelle setzt das Team auf fundamentale Kreditanalyse. Umgesetzt wird dieser Ansatz von einem kleinen, erfahrenen Team, das seit vielen Jahren eng zusammenarbeitet.

Was Simplicity aus Sicht von Tingstorp von breiter aufgestellten Euro-Credit-Managern unterscheidet, ist die tiefe lokale Marktkenntnis und der direkte Zugang zu Emittenten. Diese Nähe ermöglicht eine deutlich granularere Einschätzung einzelner Credits – insbesondere in einem Markt, der von kleineren und häufig nicht gerateten Emittenten geprägt ist.

Warum Nordic Credit separat betrachten?

Aus Sicht von Simplicity spricht vieles dafür, Nordic Credit als eigenständige Allokation zu betrachten, anstatt es in ein breiteres globales oder Euro-Credit-Mandat zu integrieren. Tingstorp verweist dabei auf solide makroökonomische Fundamentaldaten, stabile politische und regulatorische Rahmenbedingungen sowie hohe Governance-Standards in den nordischen Ländern als zentrale Basis für die Kreditqualität.

Die beiden größten Märkte der Region, Schweden und Norwegen, sorgen für Liquidität und Skaleneffekte. Gleichzeitig hat sich der nordische High-Yield-Markt seit der Finanzkrise deutlich weiterentwickelt. Heute umfasst er eine breite und diversifizierte Emittentenbasis über zahlreiche Sektoren hinweg und bietet aus Tingstorps Sicht ein attraktives Risiko-Rendite-Profil. Die vergleichsweise kleinere Emittentengröße geht häufig mit höheren Spreads einher als bei globalen Peers, während Governance-Standards und Dokumentationspraxis den Anlegerschutz unterstützen.

Marktstruktur und Ineffizienzen

Nordic Credit ist geprägt von einem hohen Anteil kleiner und mittelgroßer Emittenten, von denen viele kein externes Rating aufweisen. Die Sektorallokation ist breit gefächert: Immobilien stellen weiterhin das größte Segment dar, daneben nimmt die Emissionstätigkeit in den Bereichen Industrie, Finanzwerte und erneuerbare Energien zu. Auch Green Bonds spielen eine zunehmend wichtige Rolle.

Während der Immobiliensektor in absoluten Zahlen dominiert, wachsen andere Sektoren laut Tingstorp deutlich schneller. Strukturell verfügen nordische Anleihen häufig über Dokumentationen, die im europäischen Vergleich als robust gelten. Die zentralen Opportunitäten für Simplicity liegen jedoch weniger in der Vertragsstruktur als vielmehr in Liquiditätsdynamiken und der Komplexität. Die Analyse kleiner, nicht gerateter Emittenten erfordert lokale Expertise und laufenden Zugang zu den Unternehmen – ein Umfeld, in dem spezialisierte Manager Ineffizienzen nutzen können.

Portfoliokonstruktion und Allokationsgröße

In der Portfoliokonstruktion versteht Simplicity Nordic Credit als Ergänzung zu Investment-Grade- und globalen Credit-Allokationen. Darüber hinaus sieht Tingstorp Nordic Credit auch als potenzielle Alternative zu Emerging-Market-Anleihen, insbesondere aufgrund stärkerer Fundamentaldaten und stabilerer Governance-Strukturen.

Hinsichtlich der Allokationsgröße hält Simplicity einen Anteil von etwa 10–20% eines Fixed-Income-Portfolios für sinnvoll, abhängig von den Anlagezielen des Investors. In den eigenen globalen Mandaten kann die Nordic-Exposure deutlich höher ausfallen. Zu den wesentlichen Attraktivitätsfaktoren zählen höhere Renditeniveaus im Vergleich zu Euro- und globalen Credit-Universen, während die Ausfallraten historisch weitgehend im Einklang mit europäischen Niveaus lagen.

Liquiditätsmanagement über Marktzyklen hinweg

Das Management von Liquidität ist ein zentraler Bestandteil des Nordic-Credit-Ansatzes von Simplicity. Tingstorp betont die Bedeutung, den Fokus auf Anleihen mit ausreichender Sekundärmarktliquidität zu legen und illiquide Positionen strikt zu begrenzen. Die Positionsgrößen werden konsequent an die jeweiligen Liquiditätseigenschaften angepasst, Konzentrationen in weniger liquiden Titeln werden vermieden.

Zur Steuerung potenzieller Mittelabflüsse werden Liquiditätspuffer vorgehalten, zudem unterzieht Simplicity die Portfolios regelmäßigen Stresstests. Aus Tingstorps Sicht sind eine breite Diversifikation über Emittenten und Sektoren hinweg sowie enge lokale Marktbeziehungen und der Zugang zu Liquiditätsanbietern entscheidend, um Phasen erhöhter Marktvolatilität zu bewältigen.

Sektorpositionierung und Risikopräferenzen

Auf Sektor- und Kapitalstrukturebene verfolgt Simplicity einen Schwerpunkt auf Investment-Grade-Exposure, ergänzt um selektive Allokationen in nachrangige Anleihen qualitativ hochwertiger Emittenten. Finanzwerte sind übergewichtet, was Tingstorp mit dem stabilen wirtschaftlichen Umfeld und dem institutionellen Rahmen in den nordischen Ländern begründet.

Immobilien sind zwar absolut betrachtet ein bedeutender Bestandteil des Portfolios, gegenüber dem breiteren Nordic-Credit-Universum jedoch untergewichtet. Simplicity meidet Emittenten mit schwachen Fundamentaldaten, eingeschränkter Liquidität oder unzureichenden Governance-Strukturen. ESG-Kriterien führen zudem zum Ausschluss ganzer Sektoren – darunter Öl und Gas – aus dem investierbaren Universum.

Verhalten in Stressphasen

In jüngeren Stressphasen, darunter 2020 sowie der Zinswende in den Jahren 2022–2023, verzeichnete Nordic Credit – ähnlich wie andere Credit-Segmente – eine Ausweitung der Spreads und zwischenzeitliche Drawdowns. Historische Daten zeigen laut Tingstorp jedoch geringere Rückgänge und solide Erholungsmuster im Vergleich zu europäischem Credit, gestützt durch die Marktstruktur und eine starke lokale Investorenbasis.

Zwar steigen die Korrelationen in Stressphasen an, bleiben jedoch deutlich unter den Niveaus von Aktienmärkten. Auch wenn Erholungsphasen mitunter langsamer verlaufen, sieht Tingstorp anhaltend erhöhte Spreads als unterstützend für langfristige Erträge und die Gesamtrendite.

ESG-Integration ohne Abstriche bei der Qualität

Simplicity integriert ESG-Aspekte über Ausschlusskriterien und Governance-Analysen. Gleichzeitig stellt Tingstorp klar, dass die finanzielle Stärke eines Emittenten das zentrale Investitionskriterium bleibt. ESG-Faktoren werden als unterstützend für die langfristige Performance gesehen – insbesondere über verbesserte Governance-Strukturen –, ersetzen jedoch keine fundierte Analyse.

Kapitalallokation in Nordic Credit

Mit Blick auf die Aufteilung zwischen Investment Grade und High Yield sowie auf Durations- und Währungsrisiken betont Tingstorp die Bedeutung eines ausgewogenen Ansatzes bei der Allokation in Nordic Credit. Ein Verhältnis von etwa 60% Investment Grade und 40% High Yield sieht er als sinnvollen Ausgangspunkt, um Spread-Potenzial mit solider Qualität zu kombinieren.

Darüber hinaus verweist er auf strukturelle Besonderheiten des nordischen Marktes, in dem variabel verzinsliche Instrumente weit verbreitet sind. Dies führt zu vergleichsweise kurzen Durationen und einer geringeren Zinssensitivität. Beim Kapitaleinsatz plädiert Tingstorp für ein schrittweises Vorgehen statt einer schnellen Umsetzung und nutzt gezielt Neuemissionen, um Preisfindung und Liquidität effizienter zu steuern.

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